Karim Zidane

Karim Zidane, München

 

1. Herr Zidane, wie lange leben Sie schon in Deutschland und warum haben Sie sich bzw. Ihre Eltern für Deutschland entschieden?

Nach Deutschland bin ich am 11. Mai 1989 zwecks Studium eingereist, seitdem lebe ich hier.

2. Im Laufe der Jahre haben Sie sicherlich Einiges erlebt. Können Sie uns 1-2 besondere Fälle schildern, die Ihren Lebenslauf charakterisiert haben?

Im Laufe der Jahre habe ich einige interessante Ereignisse erlebt.
Ich erinnere mich immer wieder mit Staunen an meinen ersten Job als Schreinerhelfer in Stuttgart, wo ich nach getaner Arbeit im D-Zug die Nächte zwischen Stuttgart und Düsseldorf verbracht habe.
Diese Erfahrung prägten mein Durchhaltevermögen, die Bodenständigkeit und die Zielstrebigkeit stark
Nach dem Motto „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“.
Welche Vorbilder prägten Sie und woher kamen die Anregungen für Ihre Entwicklung?
Meine Eltern sind mein großes Vorbild, sie halten stets zueinander in guten sowie in schlechten Zeiten. Die guten Werte werden täglich vorgelebt, wie z.B. Respekt, Anstand, Ehrlichkeit, Genügsamkeit…

3. Welche Vorbilder prägten Sie und woher kamen die Anregungen für ihre Entwicklung?

Meine Eltern haben mich sicherlich durch ihre Liebe, Offenheit, Verständnis und unermüdlichen Einsatz für das Wohlergehen und die Zukunft ihrer Kinder am meisten geprägt und beeindruckt.

4. Was verbindet Sie mit Deutschland, was ist schätzenswert und lebenswert, was müsste korrigiert werden?

Mich verbindet mit Deutschland sehr Vieles, es ist meine zweite Heimat. Schätzenswert ist die Tatsache, das“s das Land auch ohne nennenswerte Bodenschätze, nur durch Arbeit und Eigenschaften wie Qualität, Ordnung, Fleiß, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Kompetenz es zu einem der wohlhabendsten Länder der Welt gebracht hat.  

5. Wenn Sie heute den Wunsch frei hätten, würden Sie wieder nach Deutschland kommen? Warum?

Ehrlich gesagt ist die Frage schwierig zu beantworten, ich möchte die Rolle Deutschlands an meiner persönlichen Entwicklung nicht leugnen, allerdings fühle ich eine starke Verantwortung dem Land Marokko gegenüber. Mein Herzenswunsch ist es, aktiv vor Ort bei der Weiterentwicklung mich zu beteiligen. Sollte irgendwann dieser Wunsch in Erfüllung gehen, dann war alles richtig und ich würde es wieder genauso machen. 

6. Was haben Sie studiert und warum?

Ich habe Maschinenbau studiert, dies war zuerst der Wunsch meines Vaters, später kam ich auf den Geschmack.
Es macht sehr viel Spaß, sich an der Entwicklung neuer Technologien zu beteiligen. Ich bin froh, diese Entscheidung getroffen zu haben.
 

7. Ist der Bereich, den sie studiert haben bzw. wo Sie jetzt arbeiten schon immer Ihr Traum gewesen oder welchen Beruf hätten Sie sonst gern ausgeübt?

Die Entwicklungsarbeit bei BMW ist ein Traumjob, besser kann es nicht laufen.
Die Umweltforderungen in Bezug auf den Treibstoffverbrauch und den Schadstoffausstoß sind mit den Kundenwünschen nach mehr Leistung, Komfort und Sicherheit nur mit den größten Innovationen zu schaffen, das macht diesen Job sehr attraktiv.

8. Was ist Ihnen in der Schule oder an der Hochschule am schwersten gefallen? 

Neben den finanziellen Engpässen war die deutsche Sprache zumindest am Anfang die größte Hürde.

9. Wie sind Sie zu dem geworden was Sie heute sind und welche Rolle spielte dabei Deutschland, welche Chancen gab es oder verwehrte Ihnen Deutschland?

Gesundheit und Glück gehören im Leben dazu. Mit Disziplin und der Glaube an mich zu schaffen, was ich mir vornehme, waren stets mein Antrieb. Dabei habe ich meine Werte Freundlichkeit, Fröhlichkeit, Respekt und Hilfsbereitschaft zu schätzen gelernt.
Meine  Eltern sowie das Land Marokko haben meine schulische Bildung ermöglicht. Dafür möchte ich mich bedanken, erst mit dem Abitur war es überhaupt möglich, in Deutschland zu studieren.
Deutschland gewährte mir einen Studienplatz, dafür bin ich dem Land tief verbunden.
Eine Art Studienorientierung fehlte jedoch, gut, dass das DMK ein solches Angebot nun bietet. 

10. Wie schätzen Sie die Chancengleichheit in Deutschland in Bezug auf Bildung, Ausbildung und Tätigkeitsfelder gegenwärtig ein und wie haben sich diese verändert?

Das muss auf jeden Fall überdacht werden. Als Vater von drei Kindern bin ich mit dieser Thematik sehr konfrontiert, ich stelle mit Bedauern fest, dass der Einfluss des ethnisch-kulturellen Hintergrunds und der soziale Status der Familie eine bedeutende Rolle bei dem Schulerfolg der Kinder spielen.

11. Was sollte sich Ihrer Meinung nach in Deutschland ändern?

Ein einziges Schulsystem für alle ohne Leistungsdifferenzierung, die Unterteilung in Sonder-, Haupt-, Realschule und Gymnasium ist meiner Meinung nach eines der größten Probleme Deutschlands.

12. Was verbindet sie noch mit Ihrer Heimat?

Sehr vieles, mein Herz schlägt für Marokko, die Familie, die Sprache, die Kultur, die Tradition, das Essen, die Sonne, das Meer (Moulay Bousselham). 

13. Welches Entwicklungspotenzial hat Marokko heute?

Marokko ist das Land mit interessanter Geschichte, vielfältiger Kultur, großer Tradition, günstiger geografischen Lage, angenehmem Klima und vor allem mit einem starken politischen Willen zur Modernisierung.
Marokko besitzt ebenso ein außergewöhnlich hohes Potential an erneuerbaren Energien, in diesem Bereich bieten sich Kooperationsmöglichkeiten mit dem deutschen Energiesektor an.
Ein weiteres Potential ist die Automobilindustrie, gerade dieser Sektor steht im Mittelpunkt der Investitionsmöglichkeiten in Marokko. Durch diverse Vorteile  werden die Unternehmen ermuntert, sich in Marokko anzusiedeln, wie z.B. freie Zonen und Industriezonen, die Nähe zu Europa, die politische und soziale Stabilität, finanzielle und steuerliche Anreize.

14. Wie schätzen Sie die Deutsch-Marokkanische Zusammenarbeit ein, und wo sehen Sie noch Potenziale?

Sehr ausbaufähig, die Handelsbeziehung zwischen beiden Ländern ist nicht ausgeglichen, in der Zeit, Wo Deutschland als Handelspartner für Marokko auf Rang 7 steht, liegt Marokko für Deutschland auf Rang 69 bei den Importen und auf Rang 57 bei den Exporten.
Marokko hat in den letzten Jahren einige Gesetze erlassen, die die Attraktivität des Standortes erhöhen, wie die „ Charte de l´investissement“ (freies Investitionsklima, steuerfreie Exportgewinne, Rückführung der Gewinne).
Es gibt viele Kooperationsmöglichkeiten zwischen beiden Ländern, wie bei erneuerbaren Energien, neuen Technologien, Tourismus und Landwirtschaft, um die Zusammenarbeit weiter zu vertiefen.

15. Welcher Beitrag könnte die Diaspora bei dieser Zusammenarbeit leisten?

Die Diaspora ist einer der wichtigsten Entwicklungsakteure eines Landes, nicht nur wegen der Rücküberweisungen, sondern auch dank ihrer bikulturellen Identität ist diese ein Schlüsselfigur für unternehmerische Initiativen und Entwicklungsprojekte.
Das gewonnene Know-How, Kapital und Kontakte Können in den Entwicklungsprozess der Herkunftsländer eingebracht werden.

16. Wie beschreiben Sie Ihr Engagement für die Entwicklungszusammenarbeit in Ihrer Heimat? Nennen Sie ein paar Beispiele?

Gut, ich denke, man kann eine passive und eine aktive Entwicklungsarbeit leisten. Das Vermitteln der heimatlichen Tradition, Kultur und Werte kann in dieser Einfachheit schon für das Heimatland Schon fördernd sein, wir sind mit beiden Formen am Entwicklungsprozess beteiligt.
Als Förderer der Wissenschaft konnten wir Dank mehrerer großzügiger Spenden der BMW AG und mit finanzieller Unterstützung der GTZ viele technische Highlights nach Marokko verschicken.
Es wurden insgesamt vier nagelneue BMW-Triebwerke, ein Motorprüfstand, Werkzeuge und diverse Hilfsmittel für die praktische Ausbildung der angehenden Ingenieure der Emi (Rabat) sowie für die technische Bildung an der Ecole technique Ibn Sina (Kenitra) zur Verfügung gestellt.

17. Sind Sie verheiratet und haben Sie Kinder?

Ja, seit 18 Jahren und Vater von drei Kindern: 5, 13 und 16.

18. Welche Hobbys und Interessen haben Sie?

Meine Hobbys sind: mit der Familie und Freunden Zusammen zu sein, Reisen, Schwimmen. Ich interessiere mich stark für die Geschichte und für alte Kulturen.

19. Und zum Schluss: Haben  Sie ein Lebensmotto?

Don't worry, be happy.

Vielen Dank für das Interview. Das Interview führte Herr Mohammed Massad.

 Herrr Karim Zidane:

  • Studium: Maschinenbau, Dipl.-Ing. (FH)
  • Beruf: Entwicklungsingenieur
  • Besondere Mitgliedschaften: DMK AG-Leiter (Automotive)

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